Veröffentlicht: 10.03.2026
Schwäbisch Gmünd hat eine lange Tradition als Gold- und Silberstadt. Dies umfasst die Tradition der Handwerkskunst und führt über die ursprüngliche, handwerkliche Fertigung hin zur Manufaktur und folgend zur maschinell gestützten Produktion damals moderner Güter. Komplexe Produktionsprozesse wurden in Teilschritten ausgeführt, um abschließend hochwertige Produkte mittels konstanter Prozessfähigkeit herzustellen.
hochwertige Produkte mittels konstanter Prozessfähigkeit herzustellen. Alle Prozesse der Ott-Pauserschen Fabrik umfassen die zeitgemäßen, metallurgischen Kenntnisse und Fertigungsverfahren. Das klassische Handwerk zu dieser Zeit stellt die Grundlage für alle Fertigungsschritte dar. Diese wurden während der Führung durch Frau Annemarie Wiener in einer besonderen fachlichen Tiefe erläutert und in den Kontext der historischen Gesellschaft mit den etablierten Firmen und Fachrichtungen gestellt.
Die Fertigung umfasste vor allem Schmuck, Kunstgegenstände und Geschirr, welche durch verschiedene Umform-, Trenn- und Fügetechniken gefertigt wurden. Abschließend wurden diese mit Hilfe der Galvanik mit Silber beschichtet und auspoliert.
Zum Einstieg wurde die klassische Umformung des verwendeten Alpaka (eine Legierung aus Nickel, Zinn und Kupfer) auf der Drückmaschine gezeigt. Dort wurde mit Hilfe verschiedener Drücker das Blech schrittweise über verschiedene Formdorne und die gewünschte Form gebracht. Um ein Reißen des Metalls durch die beim Umformen entstehende Härtung zu vermeiden, musste es zwischen den Schritten weichgeglüht werden.

Um auch Formen mit Hinterschneidung (z.B. Kannen) zu fertigen, wurden die Formdorne mit einem zentralen, entnehmbaren Kern gefertigt und der anliegende Teil aufgebrochen, um das Negativ wiederverwenden zu können.

So war es möglich Gefäße wie Schüssel und Becher herzustellen, welche in späteren Arbeitsschritten wie der Punzierung oder der Anbringung von Henkeln, Verzierungen weiter veredelt wurden.
Eine Besonderheit der Fabrik stellt die zentrale Weitergabe der Energie für den Antrieb der Werkzeugmaschinen dar. Diese wurden mechanisch über eine zentrale Welle bereitgestellt und mit Lederriemen an die Maschinen weitergegeben. Der Ein- und Ausschaltvorgang wurde über die Verschiebung der Riemen von freilaufenden Scheiben auf gekoppelte Scheiben realisiert. So konnten über eine zentrale Antriebsquelle, welche zeitweise in einem Nebengebäude untergebracht war, die Energie auf mehrere Räume und Stockwerke verteilt werden.
Die Herstellung der Werkzeuge wie Gesenke und Werkzeuge zur mehrschrittigen Blechumformung per Mettaldrücken erfolgte auf manuelle Weise vor Ort. Dazu wurde der Rohling für das Untergesenk aus weichgeglühtem Stahl manuell mit Meißeln und Schabern in die gewünschte Form (Gravur) gebracht. So konnten auch feinste Details in der Formgebung erreicht werden. Der Ausdruck „einen gravierenden Fehler gemacht zu haben“, hat seinen Ursprung in diesem Arbeitsschritt und beschreibt einen nicht behebbaren Fehler, der das Gesenk zum Ausschuss macht.

Nach dem Abschluss der Gravur wurde das Untergesenk gehärtet und es konnte das Obergesenk erstellt werden. Eine gängige Methode war die Nutzung von Blei, welches in einer Presse auf das Untergesenk geprägt wurde. Durch die leichte Formbarkeit und den flexiblen Bereich des Umformvorgangs war es möglich, die Blechstärke sowie Toleranzen innerhalb der Stärke der Halbzeuge auszugleichen. Dazu wurden schwere Friktionsspindelpressen genutzt, welche eine Drehrichtungsumkehr des Antriebs der Maschine über verschiebbare Reibräder realisiert.

Für jeden Zwischenschritt der Produktion musste ein eigenes Gesenk erstellt werden, was einen enormen personellen Aufwand und hohe Präzision erforderte.
Die Produktion umfasste bei mehrschrittig gefertigten Teilen oft einen zwischengeschalteten Weichglühvorgang und abschließend die Entfernung der Überstände mittels einer Bandsäge und dem Schliff der Trennebene.
Im Folgeschritt wurden die Teile hartverlötet. Dazu wurden die Innenseiten der an den Verbindungsstellen mit Borax als Flussmittel versehen und Neusilber in Pulverform hinzugegeben, welches am Flussmittel anhaftete. Die so vorbereiteten Teile wurden mit Draht fixiert und von außen mit offener Flamme verlötet. Dadurch verringerte sich die notwendige Nacharbeit, da abschüssiges Lot sich unsichtbar im Inneren des Werkstücks befand und nicht mühsam entfernt werden musste.
Es folgte die Glättung der Fügestellen per Hand, mit Schleifbändern die Galvanik für das Versilbern und die Politur. Die so gefertigten Stücke verbergen oft die Menge ihrer Einzelteile und die vielen Fertigungsschritte. Sie erscheinen wie aus einem Guss, was sie bei dem Werkstoff Silber unbezahlbar gemacht hätte. Im richtigen Licht, mit der passenden Reflektion offenbaren sie bei sehr genauer Betrachtung ihre aufwändige Herstellung.